Geschichte der Kirchengemeinde

Um 1200 bis vor der Reformation

Die ersten Gemeindemitglieder der kleineren Vorgängerkirche werden die Handwerker, Kaufleute und Schiffer, die sich ab etwa 1200 um den Markt auf der Anhöhe am westlichen Warnowufer (heute Alter Markt) und in Hafennähe mit ihren Familien angesiedelt hatten, gewesen sein. Die Kaufleute trieben Handel über den an der Warnow gelegenen Hafen. Deshalb weihten sie ihre Kirche dem Schutzpatron der Schiffer, Fischer und Seeleute, St. Petrus. Einen Priester gab es bereits nachweislich 1218. Also muss die Kirchengemeinde bereits im Jahr der Stadtgründung bestanden haben. 1252 wurde die Petrikirche (Vorgängerkirche) erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt wuchs schnell. Als Mitte des 14. Jahrhunderts der Neubau der Petrikirche als dreischiffige, gotische Backsteinbasilika erfolgte, war die Kirchengemeinde sicher schon so zahlreich, dass sie den neuen, großen Kirchenraum füllte. Ab 1512 wurden die in der Gemeinde geborenen Kinder in der von Andreas Ribe gefertigten bronzenen Tauffünte getauft.

Reformation und Joachim Slüter

Reformation in Rostock

Ölbild von B. Reinhold (1850) „Schlüter predigt unter der Kastanie“, hing lange als Leihgabe des Kulturhistorischen Museums Rostock in der Petrikirche und wird im Moment restauriert.

Die Reformation in Rostock wurde geprägt und vorangetrieben durch das Wirken Joachim Slüters. Nachweislich wirkte er ab 1517 als Priester in Rostock und war ab 1518 an der Universität Rostock immatrikuliert. 1521 war er an der St. Petri-Kirchspielschule in Rostock tätig. Zur Gemeinde gehörte demnach in dieser Zeit eine Schule. 1523 setzte Herzog Heinrich Joachim Slüter als Kaplan an St. Petri ein, nachdem die Pfarre wegen Streitigkeiten der Herzöge bei der Pfarramtsbesetzung schon länger unbesetzt gewesen war. Hier begann sein reformatorisches Wirken. Er predigte in Niederdeutsch, der Muttersprache der Gemeinde. In der Altstadt – dieses Stadtgebiet war ja das erste städtische Siedlungsgebiet und wurde deshalb auch damals schon Altstadt genannt – wohnten viele einfache und arme Leute. Bei ihnen waren Slüters wortgewandte Predigten so beliebt, dass der Kirchenraum oft nicht alle fassen konnte und die Gottesdienste unter freiem Himmel vor der Kirche stattfanden. Der katholischen Kirche war Slüters Wirken verhasst. Morddrohungen veranlassten ihn 1525 zeitweilig, Rostock zu verlassen. Der Rostocker Rat hielt jedoch zu Slüter. 1528 heiratete er die Rostockerin Katharina Jelen. 1531 wurde Rostock offiziell evangelisch. Pfingsten 1532 verstarb Slüter an den Folgen einer Vergiftung. Die inzwischen evangelische Kirchgemeinde war entsetzt. Er wurde auf dem Kirchhof von St. Petri beigesetzt.

Quelle: Wikipedia

Nach der Reformation bis 1942

Blitzschlag vernichtete den hohen Turmhelm und eine Wiedererrichtung folgte. Weitere schwere Unwetterschäden mussten im Laufe der Zeit behoben werden. Daran, sowie an der Finanzierung der Ausstattungsobjekte (Renaissance-Kanzel 1588, Barockaltar 1717-1722, Orgel 1730-1735) hatte sicher auch die Kirchengemeinde einen wesentlichen Anteil. An der Stelle des Grabes von Joachim Slüter wurde 1862 ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet und die Straße „Vor dem Petritor“ in „Slüterstraße“ umbenannt.

1942 – der Alptraum

In den Bombennächten von 1942 verloren viele Rostocker ihr Leben oder wurden verletzt. Viele Häuser, auch rund um die Petrikirche und auch die Petrikirche selbst wurden zerstört. Das Gotteshaus der Gemeinde wurde zu einer Ruine.

Aus der Ruine wurde wieder ein Gotteshaus

Als einzig nutzbarer Raum war der Gemeinde die kleine Turmkapelle geblieben. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. Ab 1954 wird das Nordschiff als Kirchenraum wieder Treffpunkt der Gemeinde. Mittel- und Südschiff sind ab 1967 wieder hergestellt und nutzbar. Zusätzlich zur Petri-Gemeinde ist die Kirche fortan auch Sitz und Treffpunkt der Evangelischen Studentengemeinde Rostocks, die in die separaten Räume im Erdgeschoss des Südschiffes einzog.

Zum Jahresbeginn 1974 vereinten sich die beiden benachbarten Kirchengemeinden der Petrikirche und der Nikolaikirche zur Petri-Nikolai-Gemeinde.

1989 bis heute

Als sich im Herbst 1989 in der DDR viele Menschen für Gerechtigkeit und Freiheit versammelten und begannen, gemeinsam dafür in vielen Städten zu demonstrieren, trafen sich die Rostocker vor ihren Märschen durch das Stadtzentrum zu Andachten in der Petrikirche. Als wenige Wochen später immer mehr Rostocker an den Demonstrationen teilnahmen, fanden zusätzlich in der Marienkirche Andachten vor den Demonstrationen statt.

Nach der Wende, als der Osten und Westen Deutschlands wiedervereint waren, konnte das Anliegen der Gemeinde und vieler Rostocker, ihren Petriturm mit spitzem Turmhelm als ein prägendes Element der Stadtsilhouette und eingetragenes Seezeichen wiedererstehen zu lassen, verwirklicht werden. Von 1992 bis 1995 erfolgte der Wiederaufbau des Turmhelmes. Am 13. Nov. 1994 wurde der historische, neu aufgearbeitete, goldene Wetterhahn wieder aufgesetzt.

Seit Januar 1998 sind die evangelischen Kirchengemeinden St. Jacobi, St. Marien und die Petri-Nikolai-Gemeinde zur Evangelisch-Lutherischen Innenstadtgemeinde Rostock zusammengeschlossen.

Im Jahre 2010 wurde der Gustav-Adolf-Saal im Obergeschoss des Südschiffes neu instand gesetzt. Dies war nötig, da der alte Fußboden im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar war. Die finanziellen Mittel für diese Instandsetzung wurden zu einem großen Teil von der Jahresköste der Kaufmannschaft zu Rostock e. V. gespendet. Mitglieder der Jugendkirche Rostock trugen zunächst den schadhaften alten Fußbodenbelag ab, unterstützten die Elektroarbeiten und übernahmen in Eigenleistung die Ausstattung mit den Vorhängen und den Fachwerkträgern für Scheinwerfer, Lautsprecheranlage usw. Die Malerarbeiten führten Berufsschüler aus. Dieser breiten Unterstützung ist es zu verdanken, dass dieser Raum seit der Fertigstellung mit neuem Fußboden und einer neuen Heizung vielseitig genutzt werden kann. Er ist nun Gottesdienst- und Veranstaltungsort der Jugendkirche Rostock und dient der Innenstadtgemeinde als Raum für Gottesdienste während der kalten Jahreszeit und für andere Gemeindeveranstaltungen.

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