Petrikirche Rostock

Geschichte der Petrikirche

Das Gebiet um Rostock wurde etwa im Jahre 600 u.Z. von den Wenden besiedelt. Diese westslawischen Stämme zogen von Osten her an die Warnow. In dem heutigen Stadtgebiet von Rostock entstanden mehrere slawische Siedlungen. Eine befand sich z.B. auch in Höhe des Petridamms und der Grubenstraße.

Um 1160 kamen die ersten deutschen, christlichen Einwanderer. Da diese sich nicht gerade gut mit den Einheimischen Wenden verstanden und deren Siedlungen keine Vergrößerungen zuließen, suchten sie sich einen anderen verkehrsgünstigen und sicheren Platz zum Bau einer Siedlung. Sie wählten eine Anhöhe am linken Warnowufer. Hier befinden sich heute die Petrikirche und der Alte Markt.

Die erste Kirche war klein und wahrscheinlich aus Holz, so wie auch die zur dieser Zeit entstandenen Häuser. Die Kaufleute lebten vom Handel über den an der Warnow gelegenen Hafen. Deshalb weihten sie ihre Kirche dem Patron der Schiffer, St. Petrus.

Einen Priester gab es bereits nachweislich 1218.

1252 wurde die Petrikirche erstmals urkundlich erwähnt.

Direkt neben der Kirche und dem Markt lag der Friedhof. Später wurde zwischen Friedhof und Markt eine Mauer errichtet.

Gedenktafel zur Verleihung des Stadtrechtes im Jahre 1218
Gedenktafel der Stadtgründung

Von der Stadtgründung um 1200 und der Verleihung des Stadtrechts (lübisches Recht) am 24. Juni 1218 durch Fürst Heinrich Burwy (später genannt: Heinrich Borwin) bis zum Zusammenschluss der bis dahin schnell entstandenen Stadtteile im Jahre 1265, hatte Rostock bereits 3 Kirchen. Das waren die Petrikirche, die Marienkirche und die Nikolaikirche. Um 1300 kam dann noch die Jakobikirche und die Kirchen des Katharinenklosters und des Johannisklosters hinzu.

Die Kirchen wurden mit der Einwohnerzahl und dem Wohlstand der Stadt immer weiter vergrößert. Nur die Petrikirche blieb eine eher kleine Kirche. Der Grund dafür war vielleicht der Umzug des Rathauses und des Marktes (jetzt Neuer Markt) in die Mittelstadt. Der Alte Markt verlor an Bedeutung und damit auch die Petrikirche als geistliches Zentrum Rostocks. Diese Funktion übernahm nun die Marienkirche.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand dann aber ein kompletter Neubau der Petrikirche. Diese Kirche wurde als dreischiffige gotische Basilika gebaut. Der Turm kam um 1500 hinzu. Mit einer Gesamthöhe von 126 Metern über Null war er so auch für die Orientierung der Schiffe auf See von Bedeutung.

Noch in der Bauphase wurden im Jahre 1311 Steine von der Kirche abgetragen um einen Wehrturm am Strom von Warnemünde zu bauen. Die Mündung der Warnow war stets in Gefahr in dänische Hand zu fallen. Denn der dänischen König sah seinen Einfluss im Ostseeraum durch das schnell wachsende Rostock und der Seestädte (Lübeck, Hamburg, Wismar) in Gefahr.

1532 starb der Rostocker Reformator Joachim Slüter. Er wurde auf dem Kirchhof der Petrikirche beigesetzt. An gleicher Stelle wurde dann 1862 ihm zu Ehren ein Denkmal gesetzt.

Am 16. Oktober 1543 vernichten „Gotts Straff und Himels Feur” den Turm.

1573 wurde der gotische Spitzturm ohne Wetterhahn und Turmknopf wieder aufgesetzt.

Am 1. Oktober 1575 hält der Turm einem starken Südweststurm nicht stand und wird zur Hälfte heruntergeweht.

1577 steht der Petriturm wieder. Als Landmarke ist er nun mit 117,22 Meter erstmalig in Seekarten verzeichnet.

Am 30. Juli 1578 ist der Turm wieder mit Wetterhahn und Kugel wieder komplett.

Am 2. Mai 1581 entstehen durch einen Blitzeinschlag „ein grot dunnerslach” große Schäden an Dach und Gewölbe.

Ein weiterer Blitzeinschlag erfolgte am 23.April 1610 in den Turmhelm. Löscharbeiten mit Milch und starker Regen verhindern Schlimmeres.

In den Jahren 1652, 1709 und 1718 hinterlassen Stürme und Gewitter ihre Spuren.

Sieben Jahre lang wurde die Kirche ab 1902 umfassend restauriert.

Die Orgel vor ihrer Zerstörung
Die Orgel vor ihrer Zerstörung

Der Alptraum !
In der Nacht vom 26. zum 27.April 1942 zerstürten britische Bomben die Petrikirche. Der 48m hohe Turmschaft blieb wie durch ein Wunder unbehelligt. Die Wertgegenstände wurden in dieser Nacht aber fast alle vernichtet.

Kirche ohne Turmhelm
Foto der Petrikirche aus dem Kirchenarchiv (nach 1942)

Bei der Wiedernutzbarmachung wurde durch das Schließen der Arkaden das Mittelschiff von den beiden Seitenschiffen getrennt. So sind eine Reihe von kleineren praktischen Räumen entstanden.

Blick in das Seitenschiff
Seitenschiff

Im Mittelschiff wurde auf den Neubau eines Gewölbes verzichtet. Die Höhe bis in das Gewölbe betrug 27 Meter, die jetzige Raumhöhe beträgt 24 Meter, die Höhe der Fenster 17 Meter.

Das Holz für den Dachstuhl und die Decke des Mittelschiffes sind ein Geschenk der Lutherischen Staatskirche Schwedens.

1962/63 wurden farbige Fenster eingefügt. Die Entwürfe stammen von dem Rostocker Künstler Lothar Mannewitz, die Arbeiten wurden von der Firma Lehmann (Berlin-Weißensee) ausgeführt. Die drei farbigen Fenster stellen alle Motive aus dem Leben des Petrus dar (Christus mit gekreuztem gelben Heiligenschein, Petrus mit violettem Heiligenschein, Johannes mit gelbem Heiligenschein).

Fenster oberhalb des Altares
Fenster Ostseite, Motive aus dem Leben des Petrus

Die Altarplatte wurde im Raum gegossen; Kruzifix und Leuchter sind aus Kupfer und wurden von Herrn Griese (Erfurt) gestaltet.

Das Orgelpositiv stammt von der Firma Schuke (Potsdam).

Die erhalten gebliebene Tauffünte aus Bronze wurde 1512 von Andreas Ribe gegossen.

Das Nordschiff (Winterkirche) wurde 1954 in den Dienst der Gemeinde gestellt. (In diesem Raum befand sich eine Schuke-Orgel. Zur Zeit ist sie an die Marienkirche ausgeliehen.)

Das Mittelschiff wurde 1967 fertiggestellt (Baumeister Wendland).

Im Vorraum der Winterkirche steht ein Stations-Relief „Christus vor Pilatus” aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Relief wurde im Laufe der Zeit rissig, so dass es beim Umsetzen gerissen ist. Nach der Restaurierung wird das Relief im Hauptschiff stehen.

Das Denkmal für den Rostocker Reformator Joachim Slüter wurde 1967 modernisiert und 1991 im Detail rekonstruiert.

Von 1992 bis 1995 erfolgte der Wiederaufbau des Turmhelmes. Am 13.Nov.1994 wurde der historische, neu aufgearbeitete goldene Wetterhahn wieder aufgesetzt.

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